Nun also: Daraa

Ich komme einfach nicht dazu, Ihnen von Jamal Kashoggi zu erzählen, dessen Ausführungen zu Saudi-Arabien ich diese Woche beim German Marshall Fund in Brüssel hören konnte.
 

In Daraa begann der syrische Bürgerkrieg

Denn hier im Nahen Osten, genauer gesagt: an der syrisch-jordanisch-israelischen Grenze geht es wieder drunter und drüber. Assad und seine Mannen haben sich daran gemacht die Rebellenhochburg Daraa zurück zu erobern. In Daraa begann 2011 der syrische Bürgerkrieg. Im Februar 2011 wurden 15 Kinder festgenommen, weil sie angeblich regimekritische Parolen an das Schulgebäude gepinselt haben sollen. Laut den Eltern wurden die Kinder im Gefängnis geschlagen und gefoltert. Als daraufhin in der Nähe der al-Omari-Moschee Proteste begannen, wurde die Moschee gestürmt. Es gab Tote und Verletzte. Das war der Anfang des Bürgerkriegs, der nun schon sieben Jahre dauert.

 

50.000 Menschen auf der Flucht

Nun also wieder: Daraa. Und wieder leidet die Zivilbevölkerung. Der Angriff soll mit Fassbomben begonnen haben. Mehr als 50 000 Menschen befinden sich auf der Flucht, in Richtung jordanisch-israelischer Grenze. Denn Daraa liegt ganz in der Nähe. Jordanier und Israelis sind in Alarmbereitschaft. Jordanien hat bereits angekündigt, es werde absolut niemanden mehr aufnehmen, mit rund 1 Million syrischer Kriegsflüchtlinge ist das 5 Millionen -Volk in Jordanien sowieso schon überfordert. Israel wird ebenfalls niemanden ins Land lassen, dazu hat man viel zu sehr Angst, daß unter den Flüchtlingen Islamisten sein könnten, die Terrorattentate verüben wollen.

 

Syrer in israelischen Krankenhäusern

Wie schon früher, so hat Israel aber auch jetzt wieder mit humanitärer Hilfe reagiert. Israelis hatten ja schon vor Jahren am Golan ein Krankenhauslazarett errichtet und dort und in umliegenden Krankenhäusern Tausende verletzte Syrer behandelt. Ich habe selbst darüber mehrere Berichte gemacht. Die Syrer, die ich damals interviewte, mußte ich alle unkenntlich machen – sie hatten natürlich Angst, daß sie nach ihrer Rückkehr aus Israel von den eigenen Leuten ermordet werden, weil sie sich von den »Zionisten« haben helfen lassen.

 

Heute: israelische Hilfslieferungen

Jetzt hat Israels Armee nach eigenen Angaben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag etwa 300 Zelte, rund 13 Tonnen Lebensmittel, 15 Tonnen Milchnahrung für Kleinkinder und Babys sowie mehrer Ladungen Medikamente und Kleidung auf die andere Seite der syrisch-israelischen Grenze gebracht.

Gleichzeitig ist die israelische Armee in Alarmbereitschaft. Allen Bürgerkriegsseiten wurde mitgeteilt, daß man ein Hinüberschwappen der Kämpfe auf die israelische Seite nicht hinnehmen würde.

 

Festung Europa

Wieder also sind Zivilisten auf der Flucht. Wohin sollen sie gehen? Was wird aus ihnen? Wer wird ihnen wirklich helfen? Wahrscheinlich: niemand. Jordanien und Israel können oder wollen nicht, Europa will sicher auch nicht, die „Festung Europa“ zementiert sich, das ist offensichtlich. Aber – und das darf man nicht vergessen: auch Katar oder Saudi-Arabien werden keine syrischen Flüchtlinge aufnehmen, so wie schon in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht.

Ein neues Drama zeichnet sich ab im Nahen Osten. Mal wieder.

 

Richard C. Schneider, Tel Aviv

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