Gaza: Gibt es gute und schlechte Umweltschäden?

Wenn es um Umweltschäden geht, dann kennen die Deutschen kein Pardon. Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand daraus eine gewisse Ironie bei den Nachbarn. Die Franzosen hatten schlagartig ein neues Wort:»Le Waldsterben«. Man machte sich lustig über die Mülltrennung in Deutschland, über die Demonstrationen vor AKWs. Inzwischen hat sich der Umweltgedanke längst bei allen Parteien und Politikern weltweit durchgesetzt, auch wenn man nach wie vor viel zu wenig tut, um die Umwelt zu erhalten, ohne die wir nicht überleben können. Allen voran: Donald Trump, mal wieder.

 

Das alte antisemitische Klischee: Die Brunnenvergifter

Mit Umweltschäden macht man Politik. In Deutschland und Europa auf alle Fälle, vor allem wenn es um Gaza geht. Deutsche NGOs weisen mit großer Verve darauf hin, daß Israel an der Umweltkatastrophe in Gaza schuld sei. Manchmal schießt man natürlich auch gern über’s Ziel hinaus. Dann etwa, wenn es plötzlich heißt, daß die Israelis das Wasser der Menschen in Gaza vergiften und das Gift ins Mittelmeer fließt und somit die Europäer bedroht. Erinnert sie das an etwas? Etwa an die antisemitische Brunnenvergifter-Vorwürfe gegen Juden im Mittelalter? Auch Palästinenserpräsident Abbas, der in letzter Zeit immer häufiger zu antisemitischen Pattern und Klischees zurückgegriffen hat, hat 2016 vor dem europäischen Parlament behauptet, Rabbiner hätten die israelische Regierung angestiftet, das Wasser der Palästinenser in Gaza zu vergiften – was nicht nur völliger Blödsinn ist, sondern obendrein auch noch nachgewiesen werden konnte, daß dies eine blanke Lüge war. Was aber damals den Parlamentspräsidenten Martin Schulz nicht davon abhielt zu twittern, daß das eine »inspirierende Rede« gewesen sei.

 

Das Schweigen der Umweltschützer

Nun gibt es neue Umweltschäden. Aber auf eigenartige Weise bleiben all die friedensbewegten NGOs und andere pro-palästinensischen Menschen still und stumm. Aber so eigenartig ist das ja eigentlich nicht. Denn diesmal geht es um Schäden, die die Palästinenser den Israelis zufügen. Also, was soll’s. Daß es immer um dieselbe Erde geht, von der wir, mit der wir leben und abhängig sind, ist dann schon mal egal. Bitte keine Details.

Worum geht es? Die Palästinenser haben in ihren Demos gegen die israelische Besatzung ein neues Mittel gefunden, um den Israelis Paroli zu bieten. Sie schicken Drachen und Ballons mit Molotowcocktails über die Grenze. Allein am gestrigen Samstag sind dadurch 10 Brände in der israelischen Nachbarschaft um Gaza herum entstanden. Seitdem die Palästinenser dieses neue Kampfmittel einsetzen, sind, nach Angaben der Behörden, rund 5000 Dunam Land und Felder verbrannt. Ein Dunam entspricht rund 1000 Quadratmeter. Das heißt, daß etwa 5 000 000 Quadratmeter Land und Felder verbrannt sind. Das ist natürlich ein gewaltiger Umweltschaden, von den Kosten, etwa 2 Millionen $, ganz abgesehen, das kann mal vernachlässigt werden.

Israel-Umweltschäden-Feldbrände durch Feuerdrachen aus Gaza

Gibt es unterschiedlich wichtige Umweltschäden?

Aber interessant ist es doch, daß all diejenigen, die so wahnsinnig für den Erhalt der Umwelt eintreten und Israel für alles Übel in Gaza ausschließlich verantwortlich machen, nun stumm bleiben. Gibt es also unterschiedlich »wichtige« Umweltschäden? Sind nur die Umweltschäden schlimm, die diejenigen verursachen, oder angeblich verursachen, die von den Umweltschützern als »Böse« gelabelt werden?

Israel hat nun begonnen mit Drohnen und Kampfjets die Verursacher dieser Brände anzugreifen, also diejenigen, die die Drachen und Ballons hinüberschicken. Damit wird die Lage in Gaza weiter eskalieren. Natürlich werden noch mehr Land und noch mehr Felder in Israel verbrennen. Und wahrscheinlich werden die Umweltschützer argumentieren, daß Menschenleben wichtiger ist als Land. Das stimmt. Keine Frage. Und selbstverständlich: jedes Menschenleben ist wichtiger. Aber rechtfertigt das das Schweigen all jener, die sich sonst so vehement für den Schutz der Umwelt einsetzen? Was meinen Sie?

 

Richard C. Schneider, Tel Aviv

6 Gedanken zu „Gaza: Gibt es gute und schlechte Umweltschäden?

  1. Ich versuche, einen Beleg für die moderne Brunnenvergiftungslgende zu finden; sie schreiben, dass es schon als blanke Lüge nachgewiesen wurde. Haben Sie dazu Details?

  2. Die radikalislamische Hamas bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Das scheint die diversen NGO nicht im Geringsten zu stören. Die katrasrophalen
    Brandschatzungen werden schön geredet oder schlicht toleriert. Scheinheiligkeit ist die hervorstechende Eigenschaft der Mehrheit dieser vor Ort tätigen Organisationen.

  3. An sich guter Text, nur gegen welche Besatzung protestieren die Gaza Bewohner? In Gaza selbst ist kein einziger Israeli mehr, und das Gebiet, das sie jetzt mithilfe der Drachen abbrennen, ist israelisches Staatsgebiet.

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