Die Zeitung von gestern

Kennen Sie noch den Spruch aus den »analogen« Zeiten:»Nichts ist langweiliger als die Zeitung von gestern!« – so in etwa könnte man das auch auf meinen Post von gestern sagen. Da versucht man kurz, die italienische Situation aus nahöstlicher Sicht zu analysieren, und schon ist wieder alles anders in Rom. Das allein ist ja schon der pure Wahnsinn. Aber sind deswegen meine Überlegungen von gestern auch schon Makulatur?

Nun – zunächst einmal muß man sehen, was in Rom geschehen wird. Ja, die EU und der Euro haben ein wenig Schonfrist erhalten, doch wenn man mal davon ausgeht, daß frühestens im Oktober Neuwahlen möglich wären, dann würde das wohl bedeuten: Es wird jetzt monatelang so vor sich hingewurstelt und dann – dann dürften Lega und Cinque Stelle erneut gewinnen, vielleicht sogar noch höher als jetzt? Die etablierten Parteien haben ja kaum Chancen aus ihren Löchern wieder hervorkriechen zu können, die sind ziemlich abgeschrieben. Würde also bedeuten: Was ich gestern geschrieben habe, könnte (könnte!) mit einer Verzögerung von einem halben Jahr dann auch gelten. Ich bin jetzt lieber gaaanz vorsichtig: mal sehen. In Italien weiß man ja nie …

So halte ich mich lieber an einen Freund, mit dem ich heute morgen in Tel Aviv ein kurzes Gespräch führte. Er fragte mich, ob es denn sein könne, daß die Politiker in Italien noch chaotischer seien als die Politiker hier. Ich bejahte. Und dann sagte er: »Na, dann sollten die Italiener doch Teil des Nahen Ostens werden und die EU verlassen. Sieht so aus, als gehörten sie hierher!«

Das wäre doch mal eine interessante »Neuordnung« der geopolitischen Lage, finden Sie nicht?

 

RIchard C. Schneider, Tel Aviv

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