Der Feind von innen

Pittsburgh – ich glaube, ich muß dazu nichts schreiben, was Sie nicht schon wissen. Daß es der schlimmste antisemitische Angriff in der „goldenen Medine“ ist, daß Donald Trump mit seinem Gehetze gegen alles und jeden und gegen den Juden George Soros, und mit seiner Weigerung, antisemitische Slogans z.B. in Charlottesville zu verurteilen, viel zu dem Klima beigetragen hat, das Pittsburgh möglich machte.

Von Tel Aviv aus schaue ich nach Pittsburgh. Nur leider steht mir da jemand im Weg. Es ist der aschkenasische Oberrabbiner Israels. Bitte merken Sie sich den Namen. Denn er ist der Feind, den das Judentum im Innern hat. Und nein, er ist wahrlich nicht der Einzige. Aber dieser Oberrabbiner namens David Lau hat doch wirklich die Frechheit, die Arroganz, sich zu weigern, die Synagoge, in der die Ermordung von 11 Juden geschah, „Synagoge“ zu nennen. Er nennt sie stattdessen „einen Platz mit einem sehr profunden jüdischen Geschmack“. Das Wort „Synagoge“ kommt ihm nicht über die Lippen in dem Interview mit der israelischen Zeitung „Makor Rishon“.

Und Sie ahnen natürlich, warum. Es handelt sich nämlich um eine „conservative synagogue“. Und das konservative und das liberale Judentum sind für Juden vom Schlage eines David Lau kein echtes Judentum. Und bitte kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Halacha! Fangen Sie mir jetzt ja nicht an zu erklären, warum das sogenannte „orthodoxe“ Judentum das richtige Judentum ist und sonst keins. Sonst beginnen wir bei den 6 Millionen Vergasten auch nochmal die Rassegesetze anzuwenden, sonst verleugnen wir Geschichte, jüdische Geschichte, gleich auch noch, in der es über Jahrtausende sehr unterschiedliche „Judentümer“ gegeben hat.

Mit solchen „inneren Freunden“ braucht man wahrlich keine äußeren Feinde mehr. Und ja, das ist das Ergebnis, wenn Rabbiner von Staats wegen das Monopol über das Judentum in Israel haben. Wenn ein Premierminister einen bereits beschlossenen Kompromiss für die „Klagemauer“ erst mal wieder über den Haufen wirft und somit liberale und konservative Juden ausschließt, ihnen erst einmal nicht die Möglichkeit geben will, an der „Kotel“ so zu beten, wie sie das gewohnt sind, weil man die Orthodoxie nicht verprellen will (angeblich wird’s jetzt doch einen Kompromiss geben. Das glaube ich erst, wenn’s soweit ist).

Was wird dieser feine Herr Lau dann machen, wenn die Juden von Pittsburgh vielleicht wegen des Antisemitismus‘ nach Israel auswandern wollten? Nach dem „Rückkehrgesetz“ dürften sie eher keine Probleme haben, aber wenn sie sterben, was will Lau mit ihnen dann machen? Nicht auf einem jüdischen Friedhof begraben, weil sie ihm nicht „koscher“ genug sind? Gut genug, ermordet zu werden als Juden, nicht gut genug als Juden für den Oberrabbiner von Israel?

Aber nein, er machte ja den feinen Unterschied, daß sie sehr wohl Juden seien, aber ihre Synagoge sei eben keine. Da hat er sich fein rausgeredet, der Herr Oberrabbiner. Aber wir haben verstanden und begriffen, was er eigentlich meint.

Wir Juden, die uns als eine Einheit verstehen, brauchen und wollen solche „religiösen Führer“ nicht. Wir brauchen keine Ignoranten, Spalter, Extremisten. Wir haben genug Feinde draußen. Wir brauchen nicht auch noch Feinde im Inneren. David Lau sollte schleunigst seinen Hut nehmen und in seiner „koscheren“ Synagoge verschwinden.

7 Gedanken zu „Der Feind von innen

  1. Was wirklich nur beweist, dass auch Juden komplette Idioten sein können und sind. Leider stoppt ihn keiner aus der Regierung oder kritisiert ihn zumondest

  2. Es ist dieser Geist, der die Politik Israels bestimmt und der dazu führt, dass Israel bei den faschistischen und faschistelnden Führern dieser Welt ein hohes Ansehen geniesst, fast so, als verwandle sich die Heimstätte der Juden und der Ort der Zuflucht für Juden aus aller Welt zusehends zu einem neuen Fluchtgrund – ich übertreibe… hoffentlich. Aber, in der Tat, was sollte werden mit diesen Menschen, wenn sie en masse Zuflucht in Israel suchen würden und wenn sie dort in ihrer jüdischen Identität nicht voll anerkannt werden würden? Welch – unnötige – Tragik!! – Warum? – Weil die Halacha richtiger, wichtiger, bedeutsamer, heiliger sein muss – als die Israel umgebende Scharia.

    Ja, eigentlich sollte man aus der Geschichte lernend, Ethik, Humanismus und Volkszugehörigkeit stärker gewichten als die Unterwerfung unter ein hartherziges/unbarmherziges Religionsgesetz!

  3. Vielen Dank, dass Sie Ihren Finger auf ein , iin meinen Augen , sehr grosses Problem in Israel legen. Menschen, die sich als die einzig wahren Juden fuehlen und sich das Recht nehmen , alle anderen zu verurteilen, haben die Inhalte ihrer Religion nicht begriffen Schrecklich, dass sie noch immer einen so grossen Einfluss haben. Nochmals danke fuer Ihren Beitrag Petra Kaffeesieder

  4. In Deutschland könnte man Trump wohl wegen Volksverhetzung anklagen. Schade, dass die USA nicht über ein solches Gesetz verfügen. Ansonsten kann man nur wieder mal den „Letter to the USA“ aufführen, der John Cleese zugeschrieben wird, aber in Wirklichkeit von allen möglichen Leuten verfasst wurde, nur nicht von ihm… 😉 https://www.snopes.com/fact-check/revocation-of-independence/ Ein typischer Fall, wie sich im Internet Gerüchte verbreiten…
    Ansonsten kann es einem nur immer wieder zu denken geben, wie oft Religion dazu dient, um andere auszugrenzen, Macht- und Unrechtssystem zu stützen oder als Vorwand dafür zu dienen, den Un- oder Andersgläubigen den Schädel einzuschlagen. Da drängt sich einem der Verdacht auf, dass all diese Götter nur in den Köpfen der Menschen existieren, die sie so gewaltig missbrauchen.

  5. Demokratie existiert nur wo die Fähigkeit zu Kompromissen gewährleistet ist. Demokratie wird aber auch durch Mehrheiten definiert. Wo aber die Mehrheit keine Kompromisse mit Minderheiten schließen will, ist die Demokratie am Ende.Ultra-Orthodoxe waren, sind und werden niemals Demokraten.
    In diesem Zusammenhang erinnere ich auch noch einmal an die Unabhängigkeitserklärung vom 15.05.1948: (Israel)… wird die völlige Gleichberechtigung der sozialen und politischen Rechte aller seiner Bewohner unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht gewährleisten; er wird die Freiheit von Religion, Gewissen, Sprache, Bildung und Kultur garantieren; er wird die Heiligen Stätten aller Religionen schützen; und er wird den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben.

  6. Nun sind Sie schon seit einigen Jahren in Rom und könnte ganz in Ruhe la doulce Vita leben. Aber irgendwie läßt Sie der Nahe Osten nicht los.

  7. Mittlerweile haben sich viele gegen diesen Vorwurf, Oberrabbiner Lau habe gezielt vermieden, das Wort „Synagoge“ auszusprechen, gewehrt. Der Zusammenhang sei ein anderer gewesen. Wie dem auch sei…

    Es ist sehr interessant zu beobachten, wie dieser antisemitische Angriff auf liberale Juden in den USA vor allem innerhalb der orthodoxen Gemeinden aufgenommen wird. Orthodoxe, die seit Jahr und Tag wettern gegen diesen inneren – da: liberalen! – Feind des jüdischen Volkes, reagieren nun teilweise leise, beklommen. Ganz sicher scheint man sich auch jetzt nicht zu sein, ob jene Juden wirklich dazugehören. Und wenn es mit dem Antisemitismus vor allem in den USA noch schlimmer wird, was dann?

    Was mich ebenfalls Wunder nimmt, ist der Eifer, mit dem sich die neuen faschistelnden Führer überall auf der Welt neben Hetze gegen Minderheiten, Fremde, Andersdenkende im eigenen Land entschlossen hinter Israel stellen, gerne ihre jeweilige Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen und sich von Israel als grosse Freunde Israels feiern lassen, während der Antisemitismus im eigenen Land wächst. Ist diese Liebe zu Israel das, wonach sie aussieht? Hat man da etwa ein „good riddance to the Jews“ im Hinterkopf? – Israel stärken, den Antisemitismus sich selbst überlassen und sich freuen über jeden Juden, der „heimkehrt“ nach Israel – und das eigene Land verlässt? Hat es solche Überlegungen nicht schon einmal gegeben? Und haben Juden nicht schon einmal gar zu gutgläubig auf solch grosszügiges Wohlwollen reagiert?

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